Text folgt...
Mai 2008 von Burgos nach Santiago de Compostela - Mai/Juni 2009 von St.Jean-Pied-de-Port nach Burgos usw.
Ich habe gut in der schönen Herberge geschlafen und bin schon um 6:30 Uhr auf den Beinen. Der Morgen ist zwar kühl, aber sonnig - toll zum Laufen. Ich werfe noch ein paar sehnsüchtige Blicke auf das Meer, bewor ich den Küstenbereich verlasse. Auf verwunschenen Pfaden pilgere ich durch das Dorf am Hang und überquere eine historische Brücke. Nun folgt ein Aufstieg auf einen Berg, der mich durch herrliche Wälder führt. Später wechselt der Untergrund immer wieder zwischen Pflaster und Asphalt, was für die Füße sehr strapaziös ist. Der Weg führt berab Richtung Pontevedra. Die Hitze nimmt wieder zu, so daß ich mich für eine Pause in einem Cafe kurz vor dem Ortseingang entscheide. Dort unterhalte ich mit einem Ex-Pilger, welcher in Gegenrichtung unterwegs ist. Er hat Santiago de Compostela schon hinter sich und ist nun wieder auf dem Rückweg in seine Heimatstadt Wien. Jeden Tag absolviert er ca. 40 km und ist mit dem Zelt unterwegs, um Kosten zu sparen. Ich wünsche Ihm viel Glück und mache mich wieder auf den Weg, um Pontevedra zu durchqueren. In der Altstadt gibt es wieder eine wunderschöne Brücke zu bewundern. Es folgt eine weitere Pause am einem Brunnen, ein Telefonat mit meiner Familie und auf schattigen Wegen geht's wieder berauf. Endlich der letzte Aufstieg, bevor ich die Herberge erreiche. Ich checke bei der Hospitalera ein und sofort kann ich mir ein Bett aussuchen und mich mit einer Dusche erfrischen. Hier auch mal wieder eine Preis-Übersicht: Alberge 7,- €, Abendessen incl. Wasser & Wein 7,- €, Getränke je Dose 1,- €, Frühstück Donation (Spende). Alle Pilger sitzen in dem schönen Herbergsgarten. Dort wird/werden Wäsche gewaschen, gequatscht, Tagebuch geschrieben und Informationen ausgetauscht. Da das Wetter auch weiterhin schön ist, findet das Abendessen draußen statt. Nach dem Tischgebet genießen wir Tortilla, Salat und Spaghetti mit Tomatensoße. Es wird ein geselliger Abend bis die Erschöpfung uns in unsere Betten treibt.
Die Nacht im Hotel hat sich gelohnt. Gut erholt starte ich auf den Camino. Heute führt der Weg immer leicht bergauf, bis ich einen römischen Meilenstein entdecke. Der Jakobsweg folgt auch heute noch diesen historischen Wegen. Auf einem Seitenweg lege ich mal wieder eine Pause ein und weiter geht´s -nun zum Glück mal wieder berab ;-) - bis nach Redondela. Das war aber nur eine kleine Verschnaufpause, denn hier beginnen wieder die Ansiege. An einer Ruine, die ich leider verpasse, ist dann endlich Schluß mit den Steigungen. Während des Abstiegs erhasche ich tolle Ausblicke auf den Meeresarm von Vigo. Irgendwann erreiche ich dann Arcade, wo ich die Herbergeneben dem Hotel Duarte beziehe. Die Ausstattung ist gut und nach Erledigung der Pilgertätigkeiten geht´s zum Supermercado. In der Herberge verstaue ich schnell meine Einkäufe, da ich nun endlich zum Strand/Meer möchte. Nach der zweite blauen Brücke finde ich den Zugang zum Hafen. Von dort aus gelange ich dann auch an den Strand. Dort pausiere ich ausgiebig und genieße die Sonne am Meer - Herrlich :-). Nun halte ich Ausschau nach einem Restaurant für das Abendessen. Ich finde nicht das Richtige und so bechließe ich im Hotel Duarte zu speisen. Zuerst begebe ich mich auf eine Cerveca an die Bar. Das Personal ist sehr nett und die Aussicht auf´s Meer fantastisch. Ich schreibe noch in meinem Tagebuch und begebe mich für das Abendessen an einen Tisch im Restaurant-Bereich. Es gibt mal wieder zwei Tapas, einen guten Rotwein und zum Abschluß ein Flan. Zu meiner Freude treffe ich heute auch das nette irische Pilgerehepaar wieder :-).
Leider habe ich nicht viel geschlafen. So bin ich auch relativ früh wach und packe meine Sachen zusammen. Im Hostal & Cafe Ideas Peregrinas überbrücke ich die Zeit ,bis zur Öffnung des Supermercados, mit einem leckeren Frühstück und frisch gepressten Orangensaft. Nachdem ich meine dringenden Einkäufe erledigen konnte, geht es um 9:30 Uhr endlich auf den Camino. Die Wandertemperaturen sind fantastisch, aber ich komme nicht so recht voran - jeder Schritt fällt schwer. Die Pause auf einer Wiese erfrischt etwas, aber die Etappe zieht sich hin. Ich muß noch einigen Umleitungen in einem Industriegebiet folgen bis ich schließlich O Porrino erreiche. Die Herberge ind das Hostel kommen nicht in Frage, da diese direkt an der Autobahn liegen. Somit miete ich heute ein Zimmer für mich im Hotel Azul. So kann auch nochmal richtig ausschlafen. 26,-€ incl. Frühstück sind vollkommen okay. Nachdem ich mir meinen Proviant besorgt habe laufe ich zurück in den Ort. Dort fülle ich meine Geldreserven auf und wähle ein Restaurant für den Abend aus.Ich ruhe noch ein wenig im Hotelzimmer aus bevor ich mich erneut auf den Weg mache. Ich bewundere noch eine Aufführung einer Tanzschule und betrete anschließend die Tapas-Bar La Cueva. Dort gönne ich mir Pimientos Padron & Huevos Revueltos con Championes. Insgesamt stellt sich das Restaurant als sehr gute Wahl heraus: sehr netter Service, guter Wein und klasse Tapas. Ein schöner Abschluß für den Pilgertag. Zurck im Hotel erwarte ich eine ruhige und erholsame Nacht.
Der Morgen erwartet mich mit leichtem Regen, aber es herrschen angenehme Wandertemperaturen. Die Wege mit leichten Steigungen sind sehr schön, aber das Laufen auf dem Kopfsteinpflaster ist schon sehr anstrengend. Meine erste Frühstückspause empfinde ich durch die Kühle am Waldesrand als sehr erholsam. Nun folgen steinige Abstiege, die mir höchste Konzentration abverlangen. Kleinere Ortschaften wechseln sich ab, bevor ich die Grenzstadt Valenca erreiche. Der Ort wirkt unübersichtlich und es herrscht ein großes Getümmel. Ich bewundere aber trotzdem die schöne Altstadt und die bedrohliche Festung. Der Ausgang der Festung erfolgt durch ein nicht einsehbares Loch - das an einen Zugang zu einem Kerker erinnert ;-). Aber alles geht gut und so erreiche ich den Grenzübergang von Portugal nach Spanien. Die Brücke führt über den Rio Mino. Die Überquerung ist nichts für Menschen mit Höhenangst, worunter ich zum Glück nicht leide. Viva Espana - und als erstes wird die Uhr umgestellt. Auch in Tui erwartet mich wieder eine sehr schöne Altstadt. Die Herberge ist schnell gefunden. Dort werde ich mit dem Hinweis empfangen, daß dies eine ordentliche Herberge ist und Randale und Unruhe nicht geduldet werden *staun*. Ich schaue später nochmal in den Spiegel und vergewissere mich, daß ich nicht wie die typische "Randale-Braut" ;-) rüberkomme. Dann mache mich wieder beruhigt auf den Weg in den Ort. Dort erhalte ich folgende Info: die Herberge in Redondela ist morgen geschlossen und die Tiendas/Supermercados heute, da in Galizien ein regionaler Feiertag stattfindet. Oje, nun kann ich dringend benötigte Dinge nicht besorgen. Auf den Schreck genehmige ich mir in einer Bar erst mal einen Mittagssnack mit einer Cerveca. Später folgt ein Abendrundgang mit zwei Deutschen, einer Schwedin und dem Baskenmann. Unterwegs bewundern wir eine galizische Trachtengruppe begleitet von Musik. Ich entscheide mich heute dann mal für eine typische spanische Speise: Schnitzel mit Pommes :-) - mir war einfach mal danach. Buenas Noches.
Der Weckruf ist diesmal heftig. Jemand reißt die Tür zum Computerraum auf und knallt sie sofort wieder zu. Der Franzose schießt erschreckt nach oben und ruft "Merde". Auch wir stehen senkrecht im Bett und an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Es ist 6:15 Uhr und so beschließen wir auch aufzustehen. Zum Glück sind die meisten Pilger schon weg, somit sind die Waschräume schön leer. Ich esse meine letzten Kirschen zum Frühstück und los geht´s. Meine Beine sind von Anfang an wie Blei und ich habe das Gefühl heute nirgends anzukommen. Auch das Wetter und die Landschaft blockieren mein fortkommen. Es wird ständig heißer und heißer und der Weg führt mich auf und ab. Nach 2 Stunden lege ich eine Frühstückspause ein, in der Hoffnung, daß es danach besser geht. Leider funktioniert das nicht und so werde immer langsamer. Die Landschaft ist herrlich, aber die Anstiege setzen mir zu. Irgendwann ist es dann doch geschafft und so wird es erstmal Zeit für eine Mittagspause. Auf der "Pausenwiese" bemerke ich dann auch, daß sich eine Blase am Fuß gebildet hat. Da hatte ich jahrelang Ruhe und jetzt hat es mich doch wieder erwischt ;-). Ist aber zum Glück nicht so schlimm. Sie wird verarztet und der Fuß nochmal gründlich eingecremt. Jetzt kann es weitergehen und komischerweise fällt mir das Laufen nun leichter, obwohl es nochmal wärmer geworden ist. Nur noch 5 bis 6 km, dann kommt der nächste Ort: Rubiaes. Eigentlich wollte ich noch bis nach Pacos, aber bei der Hitze riskiere ich keine weitere Blase. In der gewünschten Herberge Ninho Alojamento ist sogar noch ein Platz frei. Eine Dusche weckt die Lebensgeister nach dieser Hitzeschlacht. Danach besorge ich noch etwas Proviant für den folgenden Tag und am Abend gibt es für 10,- € ein Pilgermenü. Die Gespräche am Tisch sind heute nicht so ergiebig - manchmal paßt es halt nicht. Später im Herbergsgarten unterhalte ich mich aber noch sehr gut mit englischen Pilgern :-).
Nach einer angenehmen Nacht wache ich relativ früh auf. Katrin wartet schon im Aufenthaltsraum auf mich und teilt mir mit, daß Sie ihren Weg nicht fortsetzen wird und nach Porto zurücklaufen möchte. Es war für sie, als ob eine Last von ihr gefallen ist. Auch ich habe gemerkt, daß sie mit diesem Weg nicht glücklich war und so ist es auch für mich eine Erleichterung. Beschwingt verlasse ich die Herberge bei angenehmen Temperaturen, so daß ich erstmalig auf diesem Weg in Shorts und T-Shirt wandern konnte. Unterwegs kommt mir der Hamburger Jung entgegen, da er wohl unterwegs einen Schuh verloren hat. Ich drücke ihm die Daumen, daß er fündig wird. In der Pause versuche vergeblich zu telefonieren - kein Empfang. Auch bei einem späteren Versuch habe ich keinen Erfolg, da mein Handyakku mittlerweile fast leer ist. Beim Versuch es in einem Cafe aufzuladen, stelle ich fest, daß das Ladegerät defekt ist - Ahhhhh. Naja, ein paar Fotos kann ich zum Glück noch aufnehmen. Dann lerne ich Jaquelin aus Halle kennen und wir haben ein tolles Gespräch. Mittlerweile wieder allein wird es nochmal Zeit für eine Pause am Bach. Eine frische Brise macht die schwüle Luft erträglich. Wieder auf dem Weg genieße ich den kühlenden Schatten und den angenehmen Duft in den sich häufenden Eukalyptuswäldern. Man kommt sich schon vor wie in Galicien. In der Nähe der Ortschaft Facha entdecke ich eine Betsäule mit Pilgermotiv-Kachel, an der ich meinen Sorgenstein ablege. Ich passiere immer wieder sehenswerte Horreos (Getreidespeicher) in allen Farben und Variationen. Es wird noch schwüler, so daß ich doch noch eine letzte Pause vor Ponte de Lima benötige. Nun muß ich noch einen riesigen Markt am Flußufer durchqueren, bevor ich die wunderschöne mittelalterliche Brücke erreiche. Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich die Pilgerherberge. Vor der Tür erblicke ich schon eine Rucksackschlange. Und auf den Stühlen einer benachbarten Bar sitzen jede Menge deutsche Pilger, welche mir zurufen: "Bist Du auch Deutsche?" ;-). Dies kann ich bestätigen und geselle mich zu der Warteschlange. Nach Einlass in die Herberge wird mir ein Schlafplatz im Dachgeschoß mit einer großen Terrassentür zugewiesen. Ich denke noch "Prima", dann wird es ja eine luftige, kühle und entspannte Nacht. Dazu später mehr :-). Jetzt besorge ich mir erstmal Proviant in dieser schönen Ortschaft, welche zu den ältesten in Portugal gehört. In der Bar nebenan lerne ich einen baskischen Pilger kennen mit dem ich gemeinsam das Pilgermenü genieße. Danach entschließen wir uns noch zu einem Abendspaziergang und ein Glas Wein gibt es auch noch. Zurück in der Unterkunft sammele ich zuerst meine Wäsche ein. Dann der Schock: im Schlafsaal sind alle Fenster/Türen geschlossen. Es erwartet mich eine unerträgliche Hitze. An Schlaf ist hier nicht zu denken. Ich schnappe mir meinen Schlafsack und verziehe mich erst einmal in den Herbergsgarten. Dort sitze ich zusammen mit den Hamburger Jungs (der Schuh ist übrigens wieder aufgetaucht :-)) und zwei Franzosen bei guter Musik und tollen Gesprächen bis Mitternacht. Nun entscheiden sich einer der Franzosen, eine Pilgerin und ich dazu, daß Computer-Zimmer zu beschlagnahmen und mit den Couchkissen auf dem Boden zu schlafen. Bei geöffneter Flügeltür können wir bei frischer Luft zumindest bis 5 Uhr morgens entspannt schlafen, was sonst gar nicht möglich gewesen wäre. Der Camino ist immer wieder für neue Überraschungen bereit. Und zur Not hätte ich auch im Garten geschlafen ;-).
Noch Tage bis zum nächsten Jakobsweg