Sonntag, 17. August 2008

15.Mai 2008 León - Hospital de Órbigo 37,5 km


Ruhetag - Zum Abendessen gab es gestern nur einen Döner und nachdem ich mich zum Refugio zurückgeschleppt hatte, wartete ich zusammen mit den anderen Pilgern auf unseren Pilgersegen. Kurz vor 22 Uhr holte uns eine der Benediktinerinnen ab und wir maschierten zwei Türen weiter zum Vorraum der Kapelle. Es wurden Gebets-/Gesangshefte in verschiedenen Sprachen verteilt und nach einer kurzen Einweisung (allerdings auf Spanisch) begann das Komplet - das Nachtgebet. Den Abschluß bildete der Pilgersegen, mit dem uns die Benediktinerinnen auf unseren weiteren Weg schickten. Heute morgen gab es noch ein gemeinsames Frühstück und anschließend ging ich auf die Suche nach der Busstation. Ein Ticket für 2,20 € von León nach Hospital de Órbigo war schnell gekauft und eine halbe Stunde später ging´s ab mit dem Bus. In Hospital angekommen war noch Zeit bis zur Öffnung der Herberge. Diese nutzte ich für eine Ortsbesichtigung. In einer kleinen Bar, mit Blick auf die wunderschöne Brücke, gönnte ich mir noch ein Frühstück mit frisch gepresstem Orangensaft. Nach Belegung eines Bett-Platzes in der Alberge, schnell noch eingekauft und dann 3 Stunden hinlegen, um den Knien Zeit zur Regeneration zu geben. Wie riesig war die Überraschung, als Margret das letzte freie Bett belegte. Nun wollen wir ein spezielles Forellen-Gericht kosten und deshalb werden wir gleich zusammen mit einem italienischen Pilger-Gefährten ein passendes Restaurant aufsuchen.
Geh langsam, du kommst doch immer wieder nur zu dir selbst - 2.Geh-Bot der Geh-Bote des Pilgers


14.Mai 2008 Mansilla de las Mulas - Leon 19 km


Morgens merkte ich schon meine steifen Knie und auch meiner Fersen-Blase ging es nicht wirklich gut. Nachdem wir gestern erst beschlossen hatten mit dem Bus nach Leon zu fahren, überzeugte uns der Hospitalero doch zu Fuß zu gehen. Wir nahmen die Herausforderung an und machten uns auf den Weg. Es war nicht so schlimm, wie immer behauptet wird, aber es ist natürlich auch kein schöner Weg, da er sehr oft an der Straße langführte. Aber das gehört auch zum Camino. Was dann noch hinzukam, waren die Knie-Schmerzen, die Blasen an den Füßen und die sich zum Schluß verhärtende Wade. Obwohl wir gemeinsam Virgen del Camino geplant hatten, ging es für mich heute nicht mehr weiter. Margret und ich beschlossen noch bis zur Kathedrale von Leon gemeinsam zu gehen und ab dort läuft jeder seinen Camino. Nach der Verabschiedung traf ich im Touristenbüro eine alte Pilger-Gefährtin und diese führte mich zu meiner heutigen Unterkunft im Benediktinerinnen-Kloster. Nach einer Erholungspause und einer Dusche, machte ich mich auf den Weg nach "El Corte Ingles", um mir dort ein paar Tekking-Stäbe zu besorgen. Morgen entscheide ich dann, wie es weitergehen soll. Ein Teil mit dem Bus und ein Teil zu Fuß oder einen Ruhetag und später eine größere Busstrecke?
Buen Camino für drei Einzel-Pilger!!!

Freitag, 15. August 2008

13.Mai 2008 Calzadilla de los Hermanillos - Mansilla de las Mulas 25 km


In der Nacht ist das Wetter umgeschlagen und weiter ging´s auf der "calzada romana", der alten Römerstraße, welche sich heute etwas steiniger präsentierte. Wir haben dann tatsächlich 5 Pilger auf der Strecke getroffen, im Gegensatz zu gestern, da war es nur Einer. Wer also etwas mehr Ruhe haben möchte, dem kann ich die Nebenroute nur empfehlen. Zurück auf dem Hauptweg kurz vor Reliegos wurde es wieder voller. Dort machten wir unser Mittags-Picknick und anschließend absolvierten wir die restlichen 6,5 km bis nach Mansilla de las Mulas. Das Refugio wurde von einem deutschen Hospitalero geführt. Ich sag´mal: Harte Schale, weicher Kern. Wenn Not am Mann war, konnte man sich auf seine Hilfe verlassen. So verarztete er auch sämtliche schmerzenden Stellen der Pilger. Da die Schmerzen in meinen Knien nochmals zugenommen hatten, nahm ich auch bereitwillig den Rat und die Hilfe des Hospitaleros entgegen. Ein gesprächiges Zusammensein mit Gottfried aus Österreich beendete den Abend bei einem kräftigen und bis jetzt günstigsten Pilgermenü.
Es wird Dir niemals ein Wunsch gegeben,
ohne auch die Kraft diesen zu verwirklichen - Richard Bach

Donnerstag, 14. August 2008

12.Mai 2008 Terradillos de los Templarios - Calzadilla de los Hermanillos 27,5 km


Ein wunderschöner sonniger Pfingstmontag begleitete uns durch die herrliche Landschaft. Es ist unheimlich entspannend für das Auge, so in die endlose Weite zu blicken - das habe ich in der Meseta sehr genossen. Ein schöner Rastplatz bei der Kapelle "Virgen del Puente" lud zur Mittagspause ein. Bis dort spielten die Füße auch noch gut mit. Nach ein paar Fotos in Sahagún waren wir auch schon wieder aus der Stadt heraus und erreichten den Abzweig Calzada del Coto. Wir entschieden uns für die Nebenroute, die landschaftlich schönere Strecke, welche über die Trasse einer alten Römerstraße führte. Am Rand des Weges wuchsen massenweise Lavendel und Thymian, so daß es traumhaft duftete. Kurz vor unserem Ziel machten wir nochmals Rast an der sogenannten Pilgerquelle "Fuente del Peregrino". Das gab nochmal Kraft für die letzten 2 km bis zum Ort Calzadilla de los Hermanillos. Froh dort angekommen zu sein, da nun auch noch Schmerzen in den Knien bei mir hinzukamen, mieteten wir ein 2-Bett-Zimmer im "Casa el Cura" für insgesamt 38,-€. Es hat sich gelohnt! Wir waren angenehm überrascht, daß es eine
Badewanne gab - Luxus pur!!! Nach einem ausgiebigen Bad und der großen Wäsche, fragten wir uns zur Tienda des Ortes durch. Zum Schluß noch das typische Pilgermenü und es folgte eine geruhsame Nacht, wobei wir beim Zirpen der Grillen und dem Quaken der Frösche langsam einschlummerten. Herrlich!!!
Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann - Weisheit der Cree-Indianer

Montag, 11. August 2008

11.Mai 2008 Carrión de los Condes - Terradillos de los Templarios 26,5 km


Ohne Frühstück ging es auf die 18 km lange Strecke, welche keine Einkehrmöglichkeit haben sollte. Aber das Wetter hielt, so daß wir auf halber Stecke ein Picknick veranstalten konnten. Die Sonne kam sogar heraus und das Beste war der improvisierte Stand eines Spaniers, welcher dort Kaffee und Kekse an die Pilger verteilte. Der heiße Kaffee tat einfach nur gut!!! So waren wir auch gerne bereit der Aufforderung zu einer "freiwilligen Spende" nachzukommen. Die Füße & Beine rebellierten heute ganz schön. Als wir in Calzadilla de la Cueza ankamen, hatten wir die Befürchtung unser Etappenziel nicht zu erreichen. In Ledigos waren die Schmerzen auf ihrem Höhepunkt. Bei einer kurzen Rast in einer Bar war die Verlockung groß in die dortige Herberge einzukehren. Da uns diese aber nicht so gut gefiel und wir auch unser gestecktes Ziel erreichen wollten, trotzten wir dem Schmerz. Zur Belohnung gab es ein Bett in einem 4-Bett-Zimmer mit eigenem Bad in einer schönen sauberen Herberge. Wir teilten das Zimmer mit einem sehr netten älteren spanischen Ehepaar.
Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein - Theodor Heuss

Sonntag, 10. August 2008

10.Mai 2008 Boadilla del Camino - Carrión de los Condes 25,5 km


Das bisher beste Frühstück des Caminos stärkte uns für den Start in einen regnerischen Tag. Der Härtetest für unsere Regenponchos konnte beginnen: Bestanden!!! Geld abholen in Fromista und ein kleiner Snack in Población de Campos stand als nächstes auf dem Programm. Im Dorf Villarmentero nach insgesamt 16 km war die erste Pause fällig. Einen weiteren Stop in einer sehr einfachen Bar, leider ohne Bocadillos, bescherte uns eine kurze trockene Phase. Nachdem wir Villacázar de Sirga durchquert hatten, trafen wir Barbara, eine Pilgergefährtin des vorherigen Tages, wieder. Die Suche nach einem Refugio mit freien Bettplätzen gestaltete sich heute etwas schwieriger. Zweimal wurden wir mit dem Verweis "Completo" oder "Full weggeschickt. Es gab aber noch reichlich Platz in der am Nonnenkloster angeschlossenen Alberge "Espiritu Santo". Diese war dann zum Glück auch etwas weiter entfernt vom direkten Zentrum, da zu diesem Zeitpunkt im Ort eine Fiesta stattfand. Eine heiße Dusche bewirkte an diesem ungemütlichen Regentag Wunder und wurde nur noch von einem guten Essen in netter Gesellschaft gekrönt. Hoffentlich kann ich heute einmal einen Platz am Internet ergattern, um Kontakt in die Heimat aufzunehmen. Mal schau´n, was die Träume heute so bringen, nachdem ich gestern vom Abbruch und der Wiederaufnahme des Caminos geträumt habe?!
"I´m singing in the rain" - Frank Sinatra

09.Mai 2008 Castrojeriz - Boadilla del Camino 20,1 km


Die Nacht wurde mit gregorianischen Gesängen beendet und nach einem kleinen Frühstück ging es wieder auf den Weg. Reichlich Energie hatten wir gestern in der urigen Bar bei einem Pilgermenü getankt. Die erste Etappe begann nach 30 Minuten mit dem Aufstieg auf einen Tafelberg. Für uns "Flachland-Wanderer" war das schon sehr anstrengend. Der Abstieg war dann angenehm problemlos und anschließend nur noch leicht hügelig. Nach einer langen und erholsamen Pause auf dem Rastplatz hinter einer Kirche, erreichten wir Boadilla del Camino und wurden vom Klappern der Störche, welche auf dem Kirchturm nisteten, empfangen. Die Herberge mit den überaus netten Hospitaleros hat einen wunderschönen Garten mit Swimming-Pool. Die Überraschung des Tages ereilte uns nach einem Rundgang durch den Ort. Als wir in unserer Herberge die Vorräte für den nächsten Tag auffüllen wollten, stand plötzlich Ruth vor uns. So konnten wir die Erlebnisse der letzten Tage untereinander austauschen. Die restliche Zeit vor dem obligatorischen Pilgermenü verbrachte jeder auf seine Weise: Margret und Ruth mit einem Regenerations-Schlaf und ich mit der Reparatur meiner Gürteltasche.
Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel - Konfuzius