Montag, 14. Juni 2010

8. Mai 2010 Rabanal del Camino - El Acebo 18 km

Die Nacht war ruhiger, aber zugleich auch unruhiger als gedacht. Die ersten Schnarcher konnte ich anhand meiner Ohrenstöpsel ausschalten. Leider hatte der Pilger unter mir einen sehr unruhigen Schlaf, so dass ich ständig von dem wackelnden Stockbett aufgewacht bin. Trotz allem war ich relativ gut erholt und meine Blasen machten auch einen guten Eindruck, so dass ich keine Probleme beim Abmarsch hatte. Je mehr ich aber lief desto schmerzhafter wurde die linke Zehenblase. Kurz vor Foncebadon ein stechender Schmerz, so als ob mir jemand in den Zeh geschnitten hätte. Zum Glück kam direkt nach der nächsten Kurve ein Picknickplatz und so konnte ich nachsehen: unterhalb der alten Blase ist eine Neue entstanden und diese ist dann aufgeplatzt. Erst einmal habe ich alles gut verarztet und sicherheitshalber auch die Fersenblase nochmals gepolstert. In Foncebadon gab´s in der Alberge einen heißen Cafe con leche und eine Pause für den kleinen Zeh ;-). Wieder auf dem Weg war es nicht mehr weit bis zum Cruz de Ferro. Dort angekommen wechselte meine gute Laune, welche ich aufgrund der netten Pilger und des Sonnenscheins hatte. In diesem Jahr wurde die Ablage der Sorgensteine eine sehr emotionale Sache für mich. Nachdem ich wieder ein wenig zur Ruhe gekommen bin und der Pilger-Spaniel, welcher mittlerweile eingetroffen war, mich aufgemuntert hatte, hieß es: Weiter. Lauftechnisch ging´s danach wieder besser, bis Manjarin - wo ich in diesem Jahr mit dem Läuten der Glocke begrüßt wurde. Erneut eine Pause und ein Cafe und so blieb noch Zeit, um mich mit den Katzen dieser Örtlichkeit anzufreunden. Eine weitere Stunde hinter Manjarin hatte ich nochmals das Erlebnis mit dem Zeh. Der Rest ging dann wieder etwas besser, aber der Abstieg nach El Acebo war schon hart und ich wollte mit meinen Knien auch nichts riskieren. So habe ich mir heute ein nettes Zimmer im Ort genommen und schaue nun aus dem Fenster auf den Regen, welcher kurz vor meiner Ankunft mit einem Hagelschauer begonnen hat. Mal schau´n, ob ich heute Abend alleine Essen muss, aber eigentlich lernt man auf dem Camino ja immer nette Menschen kennen - ich lass mich überraschen.

Mittwoch, 9. Juni 2010

7. Mai 2010 Astorga - Rabanal del Camino 21,2 km

 

Trotz des relativ großen Schlafsaal habe ich gut geschlafen. Nachdem die meisten Pilger weg sind mache ich mich auf den Weg. Meine Füße schmerzen ganz schön, aber mit den Blasen geht es besser als ich dachte, außer die hintere Fersenblase. In Murias de de Rechivaldo erspähe ich eine Bar mit freien Außensitzplätzen. Dort sitzt nur eine Holländerin auf der Suche nach Ruhe und Frieden. Nachdem ich mein Frühstück geordert habe trifft zu unserem Leidwesen eine größere Gruppe ein. Die holländische Pilgerin erzählt mir, daß es sich um eine deutsche Gruppe von Sozialarbeitern mit Jugendlichen mit Mirgrationshintergrund handelt. Der Weg soll ihnen als Chance dienen, ihre Probleme im Alltagsleben besser bewältigen zu können. Es wird immer düsterer und schon fallen die ersten Tropfen. Der Poncho und die Regengamaschen werden ausgepackt und schon kann nichts mehr passieren. Auch in Santa Catalina de Somoza lockt eine sehr schöne Bar zu einer Pause im Trockenen. Es gibt sogar einen frisch gepressten Orangensaft und so bin ich bestens gerüstet für den regnerischen Tag. Durch die schmerzenden Füße kommen mir die heutigen 21 km wie die gestrigen 33 km vor. Endlich ist Rabanal del Camino in Sicht und ich laufe schnurstracks zur Herberge "Refugio Pilar". Ich bin früher da, als ich eigentlich wollte, aber ich habe mich doch wieder verrückt machen lassen, daß es in Rabanal heute sehr voll sein soll. Ich belege dann ein Bett in der um ca. 14 Uhr nur halb gefüllten Herberge. Die Französin (Claudine) von gestern ist auch hier untergekommen und den Kanadier (Jacques) treffe ich nach dem Tienda-Besuch. Auch er hat die Posada mit der tollen Gazpacho für sein Abendessen auserkoren und so werden wir bestimmt noch einige andere Pilger dort treffen. Da es immer wieder anfängt zu regnen mache ich mich schon um viertel nach sechs auf den Weg. Jacques ist auch schon da und kurze Zeit später trifft auch Claudine dort ein. Ich entscheide mich tatsächlich wieder für die fantastische Gazpacho und nehme zusätzlich noch eine Forelle mit Schinken und einen Milchreis. Nach wunderbaren Gesprächen laufe ich mit Claudine zu unserer Herberge zurück und Jacques zu seiner, in der Hoffnung auf eine ruhige Nacht zusammen mit der Gruppe Jugendliche & Sozialarbeiter auf seinem Zimmer.

 

 

Dienstag, 8. Juni 2010

6. Mai 2010 Villar de Mazarife - Astorga 33 km

 

Vom klappern der Störche werde ich geweckt und mache mich nach einer herrlich erholsamen Nacht fertig für den Camino. Es ist ein wunderbar sonniger Morgen - zwar eisig, aber kein Wölkchen am Himmel. Der Weg aus aus Villar de Mazarife heraus zieht sich ganz schön hin: es geht Schnurgeradeaus immer an einer zum Glück wenig befahrenen Straße entlang. In Villavante genieße ich meinen ersten Cafe con leche des Tages. Die Bar ist aber nicht so schön, so dass ich kurz hinter dem Ort auf einem Picknickplatz mein eigentliches Frühstück zu mir nehme. Lilly gesellt sich zu mir und wir genießen die Sonne. Sie erzählt, dass sie auf jeden Fall in Hospital de Orbigo übernachten möchte. Alleine geht es weiter und in diesem Jahr erlebe ich die Ankunft in Hospital de Orbigo erstmalig zu Fuss. Im Jahr 2008 bin ich ja aufgrund meiner Knieprobleme mit dem Bus angereist. Leider wird die schöne mittelalterliche Brücke zur Zeit renoviert - schade. Aber schlimmer als für mich ist es für die Pilger, welche die Brücke noch nie in voller Pracht bewundern konnten. In der Bar mit dem Blick auf die Brücke gönne ich mir einen frisch gepressten Orangensaft und beobachte die ankommenden Pilger. Es ist erst 13 Uhr und ein Blick auf die Schlange vor der Herberge "San Miguel" lockt mich wieder auf den Camino. Ich wähle die Route über Santibanez de Valdeiglesias. Die dortige Herberge wirkt abweisend und auch im Ort fühle ich mich nicht wohl. Also doch bis Astorga. Am Ortsausgang lerne ich eine koreanische Pilgerin kennen und so machen wir uns zu Zweit auf den Weg. Zu dieser Zeit, es ist mittlerweile 14.30 Uhr, sind kaum noch Pilger unterwegs, außer einer Gruppe deutscher Pilgerinnen und 2 einzelnen Pilgern. Die Ferse scheuert, die Zehen schmerzen und nun bereue ich meine Entscheidung weiter gegangen zu sein - doch nun muß ich da durch. Viele Dinge erkenne ich wieder - manches hat sich verändert und anderes ist unverändert. Am Wegkreuz Santo Toribio habe ich den Eindruck nie anzukommen und die Überquerung der Bahngleise kurz vor Astorga über eine serpentienartige Brücke verlängert den Camino bestimmt um mind. 1 Kilometer ;-). Um 17.30 Uhr oben an der Kathedrale angekommen wage ich es tatsächlich in der Herberge "San Javier" nach einem freien Platz zu fragen. Die deutsche Hospitalera kann mir diesen Wunsch erfüllen und auch bis zum Abend ist die Herberge nicht komplett gefüllt - das war in 2008 anders. Ich kann sogar noch meine Wäsche waschen und trocknen lassen, was ich nach diesem langen Wandertag gerne in Anspruch nehme. Nach der Dusche verarzte ich meine Füße und tatsächlich: Blasen an beiden kleinen Zehen und eine Blase an der linken Ferse. Mit einem Ermäßigungsgutschein von der Herberge entschließe ich mich für das Pilgermenü im Hotel-Restaurant "Gaudi". Das Ambiente war gut, das Essen jetzt nichts besonderes, aber die "Mousse de lemon" war sensationell! Am Tisch saßen wir zusammen in einer bunt gemischten Gruppe: ein Franco-Kanadier (Quebec), eine Französin, ein 70-jähriger Ire, noch eine Deutsche und ich. Der Pilger aus Kanada erzählte eine Geschichte von einer Koreanerin, welche mit einem riesigen Hut und langen Handschuhen bekleidet auf den Jakobsweg ging. Einen Abend zuvor hörte ich eine ähnliche Geschichte mit dem Hintergrund des Schutzes der Haut vor der Sonne, damit sie für die bevorstehende Hochzeit schön weiß bleibt. So hat jede Kultur ihre manchmal für uns ungewöhnlichen und schwer zu verstehenden Bräuche. Auf dem Rückweg zur Herberge begleitete mich die deutsche Pilgerin, da sie die Hospitalera wegen eines Arztes fragen wollte. Sie hat starke Schmerzen in einem Zeh und hofft ihren Camino noch beenden zu können. Ich drücke ihr die Daumen.

5. Mai 2010 León - Villar de Mazarife 22 km

León-Sonne-3 Grad-Die Frisur sitzt! Die Nacht im Hostal "Boccalino hat wirklich gut getan, so daß ich frisch ausgeruht starten kann. Leider ist die Basilika San Isodoro noch verschlossen, so daß ich hier keinen Stempel erhalten kann. Dort lerne ich Sascha kennen und so machen wir uns um 7.40 Uhr auf den Camino. Wir laufen ein Stück gemeinsam. An einem Informationshäuschen für Jakobspilger gibt´s dann doch noch einen Stempel und das Frühstück nehme ich in Virgen del Camino ein. Mittlerweile wieder alleine unterwegs entscheide ich mich für die Abzweigung über Villar de Mazarife. Das Naturschutzgebiet ist wirklich wunderschön. Am Wegesrand wächst Lavendel und es duftet stark nach Thymian. Die Pause am Wegesrand geschützt vor dem eisigen Wind hinter einem Busch, nutze ich für einen Snack mit Käse & Salami und ein Sonnenbad. Auf meinem weiteren Weg bekomme ich nun auch endlich etwas Mineralwasser und Bananen. So gestärkt kann ich auch das letzte Drittel meiner heutigen Tagesetappe bewältigen. In Villar de Mazarife angekommen entscheide ich mich für die Herberge bei den Storchennestern. Ab ca. 17 Uhr folgt dann das übliche Pilger-Pogramm: Suche nach der Tienda und Warten auf das Menu de Peregrino. In dieser Zeit treffe ich zum ersten Mal den spanischen Pilger mit seinem Pilger-Spaniel (Cocker-Spaniel mit Jakobsmuschel). Auch diese Nacht verspricht sehr erholsam zu werden, da unser 4-Bett-Zimmer nur von Lilly (aus Dänemark) und mir belegt wird.

Sonntag, 6. Juni 2010

4. Mai 2010 Anreise León

 

Ein schwerer Abschied liegt hinter mir und nur die Vorfreude auf den Camino kann davon ablenken. Und auch die Hoffnung auf neue Kraft und Energie zieht mich wieder auf den "Weg". Mit 30-minütiger Verspätung hebt das Flugzeug Richtung Bilbao ab. Trotzdem landet der Flieger nach einem gruseligen Landeanflug mit nur 5 Minuten Verspätung. Nach einsammeln des Rucksackes ist die Bushaltestelle über einige Umwege (der Flughafen wird zur Zeit umgebaut) schnell gefunden. Der Shuttle-Bus quält sich durch die überfüllte Innenstadt, aber es bleibt immer noch reichlich Zeit für den Bus nach Burgos. Dort angekommen wärme ich mich erst einmal auf, da es nur so um die 5 Grad ist und ein eisiger Wind mit Schneegraupel durch die Gassen fegt. In einem kleinen Cafe nahe der Kathedrale nehme ich mein Mittagessen zu mir. Da ich auch jetzt noch reichlich Zeit habe, entscheide ich mich spontan für die Besichtiung der Kathedrale von Burgos, welche ich während meiner beiden letzten Caminos nicht geschafft habe. Sie ist schon sehr beeindruckend! Die restlichen 1 1/2 Stunden verbringe ich im Busbahnhof, wieder geschützt vor Wind und Regen. Auf der Fahrt nach León kündigt sich zum Glück eine Wetterbesserung an. Viel Sonne und kein Regen. Nur der eisige Wind bleibt mir erhalten. Pünktlich um 18.30 Uhr treffe ich in León ein. Erstaunlicherweise finde ich den Weg zur Kathedrale sofort. Die Touristen-Information an dieser Stelle existiert leider nicht mehr. Also an der Kathedrale vorbei auf den Camino, da ich unterwegs von einem anderen Pilger den Tipp bekommen habe, daß zur Not auch ein Stück außerhalb der Stadt noch jede Menge Hostals/Pensionen zu finden sind. Aber schon am Plaza San Isodoro werde ich fündig und so bleibt noch ein klein wenig Zeit für einen kurzen Stadtrundgang durch León. Zurück auf dem Zimmer verzehre ich einen Teil meiner mitgebrachten Vorräte und kann so morgen früh ausgeschlafen & gestärkt auf den Camino starten!

 

Samstag, 1. Mai 2010

Los geht´s!!!


...am Dienstag ist es dann soweit.
Wie man auf dem Foto sieht, wird nun der Rucksack gepackt. Die letzen Dinge werden gewogen und die Packliste aktualisiert (s. Packliste 2010). Sollte der Flug planmäßig gehen, so werde ich mir kurzfristig überlegen die Bustickets schon von Deutschland aus über das Internet zu kaufen.
So haben die Vorbereitungen für den Jakobsweg wider erwarten doch noch sehr gut funktioniert, obwohl es so ganz nebenbei auch noch viele wichtige Dinge zu organisieren gab. Aber so können nach dem "Camino" die neuen Lebensabschnitte beginnen.
Die Berichte über meine Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnisse werde ich, wie auch in den beiden Jahren zuvor, so bald wie möglich nachreichen. Somit bitte ich alle Pilgerfreunde um Geduld und begebe mich auf die Reise mit einem "Buen Camino"
Nur wo Du zu Fuß warst, bist Du auch wirklich gewesen. - Johann Wolfgang von Goethe

Samstag, 3. April 2010

Endspurt!!!


So, jetzt geht es in die heiße Phase der Vorbereitungen. Alle 2-3 Tage unternehme ich Wanderungen zwischen 1 1/2 und 4 Stunden. In 2 Wochen werde ich diese dann auf Borkum fortsetzen. Und danach wird die endgültige Packliste erstellt, alle Klamotten nochmal gewaschen und die Wanderschuhe werden gereinigt und gut eingewachst. Sollte es keine Veränderungen bei der Abflugzeit geben, werde ich kurz vor Abreise auch meine Bustickets bei ALSA per Internet erwerben. Wenn der Mai dann gekommen ist, dann geht es eeeeeeeeendliche los. Jetzt werde ich doch langsam nervös, da es ja das erste mal ist, daß ich mich so ganz allein auf den Weg mache. Aber im Heiligen Jahr werde ich mir über Einsamkeit auf dem Camino Frances wohl keine Sorgen machen müssen ;-).
Der gestrige Aufstieg zum Gipfelkreuz auf dem Kreuzweg der Bottroper Halde Prosper Haniel mit so vielen gleichgesinnten Menschen war wie immer sehr bewegend. Morgen früh geht es dann um 5 Uhr in die Ostermesse und wir werden die ungewöhnliche Atmosphäre der nur mit Kerzenlicht beleuchteten Kirche in uns aufnehmen und der Vorlesung der Schöpfungsgeschicht lauschen. In diesem Sinne wünsche ich allen Pilgerfreunden ein frohes Osterfest.