Sonntag, 27. März 2011

26.März 2011 Pilgern im Pott - Emschermündung über die Dorfkirche Dinslaken-Hiesfeld bis zur Christuskirche Oberhausen-Sterkrade 24 km

Nun haben wir es endlich geschafft, die ersten beiden Abschnitte der Pilgerroute "Pilgern im Pott" zu erwandern, welche von den Evangelischen Kirchen anläßlich des Kulturhauptstadtjahrs Ruhr 2010 ins Leben gerufen wurde.
Um 9 Uhr Morgens geht es zu Dritt los und trotz der nicht so guten Wettervorhersage für diesen Tag, bricht immer wieder die Sonne hervor.
Von der Emschermündung startend geht es am Rhein entlang und schließlich folgen wir der Rotbachroute.
Durch größere Waldstücke nähern wir uns dem Zentrum von Dinslaken und entschließen uns kurz vor dem Stadtpark für eine erste Pause direkt am Rotbach.
Frisch gestärkt geht es weiter an der Innenstadt vorbei über größere Straßen Richtung Dinslaken-Hiesfeld.
Hier wird es dann auch wieder ruhiger und wir erreichen die Dorfkirche in Hiesfeld. Die ersten 10 km haben wir geschafft und hoffen nun auf einen ersten Stempel für unseren Pilgerpass. Leider hat die Kirche nicht geöffnet und so entschließen wir uns für eine Einkehr in einem sehr schönen Cafe, um uns den nächsten Abschnitt anzusehen.
Weiter geht es auf der Rotbachroute am Wassermühlenmuseum vorbei Richtung Rotbachsee. Es sind vermehrt Wolken aufgezogen und zeitweise tröpfelt es sogar, aber wir sind guter Hoffnung, dass das Wetter im Laufe des Tages wieder besser wird.
Wir durchwandern mehrere Wohngebiete, dann wieder ländlichere Gegenden und erreichen Oberhausen-Schmachtendorf. Kurz vor dem Forsthaus und einem Naturlernpfad beschließen wir unser Mittagspicknick einzunehmen.
Da auch das Wetter wieder besser geworden ist, wird es eine erholsame Pause. Der Weg bis zur HOAG-Bahn zieht sich, durch den Schlenker über die Graßhofstraße, ganz schön hin.
Bis zur Weierstraße folgen wir dieser alten Bahntrasse, verlassen diese dort und erreichen über eine kleine Nebenstraße unser Ziel: Die Christuskiche in Oberhausen-Sterkrade.
Hier haben wir Glück, denn die Kirche ist geöffnet. Wir erhalten unseren Pilgerstempel, haben ein nettes Gespäch mit dem Pfarrer und zünden zum Abschluß eine Kerze an, der wir unsere Gebete mit auf den Weg geben.
Nun freuen wir uns auf die nächsten Abschnitte dieses Pilgerweges und machen uns auf den Weg nach Hause.

Sonntag, 7. November 2010

08.November 2010 Planung Camino 2012

Im Jahr 2011 sind Geduld und Durchhaltevermögen gefragt, da der nächste Camino erst wieder in 2012 stattfinden kann. Nächstes Jahr wird es höchstens einzelne Tagesestappen auf deutschen Jakobswegen in unmittelbarer Nähe geben.
Für 2012 habe ich nun genügend Zeit mich für den nächsten Camino zu entscheiden:
-soll es nochmal die Meseta werden (hat mir so gut gefallen)
-oder der Camino Portuges (teilweise am Meer entlang)
-oder doch die Via de la Plata (Einsamkeit pur)?
Auch für eine Jahreszeit habe ich mich noch nicht entschieden: wieder im Frühjahr (wenn die Mohnblumen blühen) oder soll ich es mal im Herbst versuchen?
Hoffentlich überstehe ich das Jahr "ohne Camino" ohne allzu große Entzugserscheinungen ;-))).

Mittwoch, 4. August 2010

23. Mai 2010 Santiago de Compostela - Bilbao

Schon wieder eine fast schlaflose Nacht, da ich endlos lange Husten mußte. Irgendwann ging es dann zum Glück und ich bin erschöpft eingeschlafen. Nachdem ich mich fertig gemacht habe und der Rucksack gepackt war, habe ich mich von der netten Senora, welche mir das Zimmer vermietet hat, verabschiedet. Mein erster Weg führte mich zur Gepäckaufbewahrung in unmittelbarer Nähe des Pilgerbüros, wo ich meinen Rucksack bis 21 Uhr deponieren kann. Die am Rucksack befestigten Teleskop-Trekkingstäbe haben sie leider nicht genommen - blöd! Ich hatte diese sogar schon mit Kabelbindern am Rucksack befestigt, damit sie auf dem Flug nicht verloren gehen. Naja, sei´s drum. Wieder gönne ich mir ein Frühstück in dem wundervollen Hotelgarten und warte auf den Beginn der Pilger-Messe. Leider ist es dann vor dem Eingang zur Kathedrale so voll, daß ich erst gar nicht versuche ins Innere zu gelangen. Schade - aber ich habe im Jahr 2008 an so einer emotionalen Pilgermesse teilgenommen, daß ich wahrscheinlich sowieso enttäuscht gewesen wäre. So bummele ich den ganzen Tag in Santiago herum, besorge mir Hustentropfen und treffe bei meiner Suche nach einem kleinen Mittagessen nochmals auf Sherryl. Wir machen Fotos voneinander und haben nun auch noch die Chance uns voneinander zu verabschieden. Gegen 20 Uhr hole ich meinen Rucksack wieder ab und mache mich auf den Weg zum Busbahnhof. Dort warte ich zusammen mit einer Spanierin auf unseren Bus, während sich die Wartehalle immer mehr leert. Gut, daß wir wenigstens zu Zweit sind, denn es ist der letzte Bus des Tages. Dieser trifft pünktlich ein und ich mache es mir bequem für die lange Fahrt nach Bilbao.

Sonntag, 1. August 2010

22. Mai 2010 Finisterra - Santiago de Compostela

Durch meinen krähenden Handy-Wecker werde ich um 9 Uhr geweckt. So habe ich genügend Zeit mich frisch zu machen und meinen Rucksack zu packen. Weil es gestern Abend so schön war, beschließe ich auch mein Frühstück in der Bar "La Frontera" einzunehmen. Man sitzt hier wirklich sehr schön an der frischen Luft mit Blick auf den Hafen. Eigentlich schade, daß es heute schon wieder los geht. Kurz bevor ich aufbrechen möchte, kommen noch Wolfgang und "Der Kapitän". Wolfgang gibt mir noch ein paar Tipps für Bilbao und "Der Kapitän" hat noch eine Unterkunftsmöglichkeit und ein günstiges Restaurant für Santiago parat. Wir verabschieden uns voneinander und ich mache noch einen letzten Rundgang durch Fisterra. Als ich später im Bus sitze kommt tatsächlich nochmal "Der Kapitän" und winkt mir zum Abschied mit einem Taschentuch. Wirklich eine nette und ungewöhnliche Truppe: die deutsche Kolonie von Finisterra. Die 3-Stunden-Fahrt geht diesmal schnell vorüber. Am Busbahnhof angekommen kaufe ich mir direkt das Ticket für die morgige Fahrt nach Bilbao - wird bestimmt anstrengend (ca. 10 Std.), aber vielleicht kann ich ein wenig schlummern - ist ja eine Nachtfahrt. Der Rückweg in die Altstadt ist müll- und saharatechnisch interessant. Bei der Hitze entfaltet der (immer noch nicht abgeholte) Müll ein eigenes Aroma - naja egal. In der Altstadt ist es dann besser - hier merkt man kaum etwas. In einer Seitenstraße kurz vor der Kathedrale frage ich wegen einer Unterkunft, da ich die empfohlene leider nicht gefunden habe. In dieser ist leider nichts mehr frei, aber der Pensionswirt telefoniert mit einer Dame, die auch tatsächlich noch etwas frei hat. Es ist nur um die Ecke, ein kleines nettes Zimmer mit Gemeinschaftsbad für nur 20 Euro. Ich schlage direkt zu, erfrische mich mit einer Dusche und: auf in das Getümmel von Santiago. Nach meiner Shopping-Tour - nur Klamotten, keine Souvenirs - ergattere ich einen soeben frei werdenden Tisch und bestelle ein Vino Tinto & eine Tortilla. Die Stadt ist zu Pfingsten wirklich sehr voll und so kann ich ein deutsches Ehepaar erfreuen, als ich ihnen anbiete sich zu mir an den Tisch zu setzen. Es entsteht ein angeregtes Gespräch und die Beiden berichten mir von ihrer Rundreise durch Portugal. Nach Auflösung der Runde sitze ich noch ein wenig vor der Kathedrale und begebe mich anschließend in mein kleines Zimmer.

Mittwoch, 14. Juli 2010

21. Mai 2010 Finisterre - Kap Finisterre

Heute bleibt einfach nur Zeit Urlaub zu machen: es ist ca. 30 Grad, Sonne, Strand Meer, leckeres Essen - was will man mehr?! Eva und Martina sind leider bis heute nicht eingetroffen - schade. Morgen geht´s wieder zurück nach Santiago. Aber vielleicht sollte ich mir das nochmal überlegen. Im Fernsehen habe ich gesehen, daß die Müllabfuhr immer noch bestreikt wird - also: es stinkt zum Himmel. Abends wird es nochmal interessant. Nachdem ich vom Muschel-Strand zurückgekehrt bin, möchte ich mal wieder etwas warmes essen. Die erwählte Bar "La Frontera" liegt wunderschön am Hafen und wird von einer deutschen Frau mit spanischem Ehemann geführt. Beide sind wirklich sehr nett und das Essen ist ausgezeichnet. Am Nachbartisch sitzt die "deutsche Kolonie" von Fisterra und bittet mich herüber, falls ich Lust dazu hätte. Es ist eine bunte Mischung verschiedenartigster Menschen. Da wäre einmal "Der Kapitän", welcher nach 5.000 km auf verschiedenen Jakobswegen immer wieder in Finisterre gelandet ist und letztendlich auch geblieben ist. Der Künstler "Don Giovanni" kreiert faszinierende Bilder im Picasso-Stil, in denen er seine (Pilger-)Erlebnisse verarbeitet und ist zudem auch noch ein Lebenskünstler. Wolfgang organisiert die verschiedensten Aktivitäten für Touristen und Pilger. Helga ist wie ich eine Pilgerin, die aber schon vor 2 Jahren zum ersten Mal nach Finisterre gekommen ist. Wir erleben einen tollen Abend miteinander bei Wein, Cafe, Bier, Wasser, eine Schinken-Käse-Platte und einem guten Brandy. Da Helga in demselben Hotel wohnt wie ich, gehen wir auch gemeinsam zurück dorthin. Irgendwie scheint unter den jungen Spaniern die Feierlaune ausgebrochen zu sein, so daß es eine Nacht mit sehr wenig Schlaf wird.

Dienstag, 13. Juli 2010

20. Mai 2010 Finisterre - Kap Finisterre

Das Ausschlafen hat gut getan. Unten im Hotel gehe ich frühstücken und nutze auch gleich die Chance mal wieder meine E-Mail abzurufen. Als nächstes steht Shopping auf dem Programm, um für den Abend am Kap vorbereitet zu sein. Ich erstehe: Weintrauben, Brot, Käse, Sekt (Piccolo), Feuerzeug, Servietten und eine Kerze. Vor meinem Mittagsmahl laufe ich dann erst einmal zum "Wilden Strand". Dort sind nur wenige Menschen, da man hier aufgrund der gefährlichen Brandung nicht schwimmen gehen kann. Dafür ist es herrlich einfach mal so viel Strand & Meer nur für sich zu haben. Nach ca. 2 Stunden kehre ich für eine Siesta ins Hotelzimmer zurück. Danach entschließe ich mich zum Muschel- und Badestrand zu laufen. Hier finde ich schon die ersten Modelle an Jakobsmuscheln in verschiedenen Farben & Größen - ich kann gar nicht mehr aufhören, soviel Spaß macht es! Zurück im Hotel packe ich meine "chiccen" Plastiktüten mit der Verpflegung, meiner Sitzmatte, den Wanderschuhen und ein Paar Socken. Der Weg zum Kap ist herrlich und auch mein schon gestern ausgespähter Sitzplatz steht noch zur Verfügung. Heute ist es schon etwas voller, aber das macht mir nichts aus. Genüsslich verspeise ich mein Abendessen mit traumhaftem Ausblick. Je mehr die Sonne im Ozean versinkt, desto stiller wird es in meiner Umgebung. Und dann ist es soweit - der perfekte Moment - es ist als scheint die Zeit stehen zu bleiben. Keiner spricht mehr! Alle haben den Blick fasziniert auf dieses Naturschauspiel gerichtet. Dann ist es vorbei. Ich packe langsam meine Sachen zusammen. Werfe zuerst meinen Müll und auch meine Wanderschuhe in den Mülleimer. Ich will die Schuhe nicht verbrennen, wegen der verschiedenen nicht so umweltfreundlich zu verbrennenden Materialien. Dafür habe ich meine Socken mitgebracht. Mit diesen mache ich mich auf dem Weg zur Feuerstelle. Das Verbrennen eines Teils der Pilgerbekleidung fühlt sich tatsächlich an, wie eine Befreiung & ein Abschluß. In Santiago hatte ich endlich das Gefühl angekommen zu sein und am Kap fühlte ich mich von der körperlichen Anstrengung befreit. Auf dem Rückweg bleibt noch etwas Zeit, um dieses Erlebnis zu verarbeiten.

Sonntag, 11. Juli 2010

19. Mai 2010 Santiago de Compostela - Finisterre

Nach einer erkältungsgeplagten Nacht schwinge ich mich aus meinem Bett und mache den Rucksack schon einmal fertig. Ich habe noch ca. 2 Std. Zeit, bis ich das Zimmer verlassen muß bzw. mich auf den Weg zur Busstation mache. Dieser führt vorbei an riesigen Müllbergen, da die Müllabfuhr z.Zt. streikt. Wenn ich es recht überlege, wurde ich auch gestern schon von einem betörenden Duft empfangen :-(. Aber zuerst einmal werde ich ausgiebig frühstücken. Auf Empfehlung von Anke suche ich das Hotel mit dem wunderschönen Garten. Ein Platz in der Sonne ist auch noch frei und so erhalte ich von der wirklich sehr freundlichen Kellnerin meine Tostadas, ein Croissant, eine Marmeladenauswahl, einen Cafe con leche und einen frisch gepreßten Orangensaft. Beim Frühstück kommt mich eine kleine Meise am Tisch besuchen und der Duft einer riesigen Jasmin-Ranke steigt mir in die Nase. Ich will gerade aufbrechen, da kommen Eva und Martina, auch angelockt von diesem herrlichen Ambiente, um ebenfalls zu frühstücken. Ich verlängere spontan meinen Aufenthalt und bestelle mir noch einen Orangensaft. So war das mal wieder einer dieser Camino-Zufälle. Santiago hat bestimmt noch mehr Frühstücksmöglichkeiten zu bieten ;-). Vom Morgen noch das ruhige & leere Santiago gewöhnt, scheint in der Zwischenzeit das Leben in der Stadt explodiert zu sein. Den Plaza de Obradoiro kann ich kaum überqueren und vor der Heiligen Pforte warten Menschenmassen. Den Rucksack geholt, Schlüssel abgegeben und nach ca. 20 min erreiche ich den Busbahnhof und erstehe ein Ticket nach Finisterre für 12,05 Euro. Die Fahrt dauert 3 Stunden. Dort angekommen verschaffe ich mir erst einmal einen Überblick. Wieder am Hafen zurück, höre ich meinen Namen rufen und sehe Anke auf einer Restaurant-Terrasse sitzen. Wir essen noch ein Nachmittags-Snack und die Tisch-Nachbarin hat noch einen Tipp für eine günstige Unterkunft. So zahle ich nur 18 Euro für eine Übernachtung im Einzelzimmer. Ich buche für 3 Nächte und so geht´s erst mal unter die Dusche. Eine Ruhepause tut auch ganz gut, da ich durch die Erkältung und die Hitze doch relativ schlapp bin. Der Weg zum Kap dauert ungefähr 45 min. Es ist herrlich! Obwohl immer ein paar Menschen in der Nähe sind, findet man irgendwo ein ruhiges Plätzchen. Weiter vorne sehe ich eine Frau sitzen und denke: das könnte Anke sein. Und tatsächlich - als sie aufbricht, um sich zur Feuerstelle vorzuarbeiten, kümmern wir uns gemeinschaftlich um die Entzündung des Feuers und die Verbrennung ihres auserwählten T-Shirts. Ich mache noch ein Foto von ihr und nehme mir dieses Ritual für morgen vor, da ich heute nicht recht vorbereitet bin. Wir laufen gemeinsam zurück in den Ort und beschließen noch einen "Kap-Finisterre-Wein" zu trinken. Leider ist der Wein nicht so gut, was unserer Stimmung aber keinen Abbruch tut. Die Außenterrasse ist herrlich, aber langsam wird es kalt und meine Erkältung meldet sich auch wieder zurück. Erschöpft, aber glücklich gehe ich zu Bett. Endlich am Meer!!!