Dienstag, 26. August 2008

22.Mai 2008 Portomarín - Lestedo 20 km


Ein Cafe con leche und die aufgehende Sonne gaben Kraft und Energie für den Weg. Die Strecke war teilweise sehr schön, so daß das Fotografieren hier wieder besonders Spaß gemacht hat. Zwei Zwischenstopps in Bars und ein rege genutzter Picknickplatz sorgten für Abwechslung. In Airexe überlegte ich einzukehren, lehnte dann aber doch das Angebot ab, ein Doppelzimmer in einem netten kleinen Meson zu teilen, da es noch sehr früh war. Nach einer weiteren Stunde gelangte ich nach Lestedo in eine sehr gepflegte Alberge mit nur 10 Betten, wo noch einiges frei war. Der angeschlossene Garten war riesig, aber wir konnten diesen leider nur für ca. 2 Stunden nutzen, da es anfing zu regnen. Dort traf ich auch Rita aus Hannover wieder, mit der ich den Rest des Abends verbrachte. Wir nahmen einen kleinen Snack zu uns (mehr gab es dort leider nicht) und haben uns anschließend noch lange unterhalten. Es ist schon toll, daß man sich auf dem Camino immer wieder trifft.
Per aspera ad astra. Über rauhe Pfade zu den Sternen - Sprichwort

Sonntag, 24. August 2008

21.Mai 2008 Morgade - Portomarín 11 km


Heute habe ich wunderbar ausgeschlafen und genoß anschließend noch ein leckeres Frühstück. Rita, welche ich gestern kennengelernt habe, war leider noch nicht wach, aber von Hans (welcher seine Reise auf dem Camino von seiner Frau zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat und in Sarria gestartet ist) und von Manfred aus Gütersloh konnte ich mich wenigstens verabschieden. Nun habe ich dieses traumhafte Casa Rual (war wirklich die schönste Unterkunft auf dem Camino) entgültig hinter mir gelassen. Nach ca. 45 min ist Manfred nochmal aufgeschlossen und wir sind eine Zeit lang zusammen gelaufen. Da ich mir für heute nur eine Strecke von 11 km vorgenommen hatte, blieb noch genügend Zeit für eine ausgiebige Pause in einer netten Bar. Weiter ging´s und kurz vor Portomarin fing es doch noch an zu regnen. Zum Glück bekam ich wieder einen wunderbaren Bettplatz in einer kleinen, ziemlich neuen Herberge mit angeschlossener Bar & Restaurant. In einer 4-Bett-Kabine belegte ich ein Bett und nach einer Dusche in den großzügigen Badezimmern, erkundete ich den Ort. Eine Internet-Session und die Einkäufe rundeten den Nachmittag ab. Beim Pizza-Essen traf ich zu meiner Überraschung erneut auf ein deutsches Pilger-Ehepaar, welches ich schon in Burgos kennen gelernt habe. Morgen möchte ich früh raus, damit ich schön langsam laufen kann.
Es gibt keinen Weg zum Glück, Glücklich-sein ist der Weg - Buddha

20.Mai 2008 Ponferrada - Sarria 93,5 km Sarria- Morgade 12,5 km


Gestern Abend konnten mit Hilfe der sehr netten kanadischen Hospitalera alle Probleme beseitigt werden, so daß ich heute morgen um 6.30 Uhr mit einem Taxi zum Bahnhof fahren konnte, obwohl die Herberge normalerweise erst um 7 Uhr öffnete. Nach dieser fast schlaflosen Nacht (6-Bett-Zimmer mit drei heftigen Schnacherinnen) war ich froh, daß wenigsten der Kauf des Bahntickets problemlos funktionierte und so ging es mit einstündiger Verspätung auf die Reise. In Sarria angekommen besorgte ich mir zuerst noch einen "Sello" (Stempel) für den Pilgerpaß und um 11 Uhr war ich schon wieder auf dem Camino unterwegs. Die traumhaften Wälder von Gallizien gaben einem ein Gefühl von Heimat und ließen mich die gelaufenen Kilometer vergessen. Ich hatte nun viel Zeit zum fotografieren und so sind tolle Fotos entstanden u.a. zwei interessante Eidechsen. Die erste Anfrage nach einem Bettplatz in einem Casa Rual in Rente war leider nicht von Erfolg gekrönt. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, daß das nächste Casa Rual in Morgade (kurz hinter dem 100-km-Stein) viel schöner war und ich dort sehr nett aufgenommen worden bin. Für nur 8,-€ konnte ich das letzte Bett in einem der beiden 3-Bett-Alberge-Zimmer ergattern. Man sollte sich wirklich keine Sorgen um ein freies Bett machen. Irgendwo kommt man immer unter. Ich habe bis jetzt sogar die Erfahrung gemacht, daß ich bei der nächsten Unterkunft immer besser dran war. Hier konnte ich auch mal wieder mein Handy aufladen. Nachmittags saßen wir alle gemütlich in der Sonne und so entstand das eine oder andere interessante Gespräch.
Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab - Marcus Aurelius

Mittwoch, 20. August 2008

19.Mai 2008 Riego de Ambrós - Ponferrada 13 km


Die letzte Nacht war wunderbar ruhig in meiner kleinen 2-Bett-Kabine, welche ich alleine nutzten konnte. Den Abschluß des Abends bildete das Pilgermenü, welches ich gemeinsam mit Mette (Dänemark), Chris (Schottland) und Christian (Deutschland) genoß. Zum Glück regnete es heute nicht, so daß ich von meiner Umwelt doch viel mehr wahrnehmen konnte. Ein traumhaft einsamer und verwildeter Weg, ließ die für meine Knie harten Abstiege fast vergessen. Als die Sonne durchbrach, war es mal wieder Zeit für das obligatorische Picknick. Die restlichen Kilometer zogen sich dann nochmal hin. Weiter als Ponferrada hätte ich es heute auch nicht geschafft. Zwei Tage Bergtour merkte ich sehr deutlich in den Waden, den Knien und der linken Achillessehne. In Ponferrada angekommen ging ich zuerst einmal zum Geldautomaten. Welche Erlösung!!! Nun die Herberge aufgesucht, welche aber erst um 14 Uhr öffnete. Also den Rucksack in die Schlange gestellt und die Zeit sinnvoll mit der Besorgung von Proviant genutzt. Anschließend holte ich auch schon Informationen aus dem Touristen-Büro ein, welche sich als nicht so erfreulich erwiesen. Ursprünglich wollte ich noch 2 Tage bis Vega de Valcarce wandern und von dort aus mit dem Bus nach Sarria fahren: das ist aber leider nicht möglich! Nun muß ich morgen früh um 7.12 Uhr mit dem Zug nach Sarria fahren. Naja, hat auch was Gutes. Falls mir Santiago gut gefallen sollte, kann ich mich dort länger aufhalten. Ansonsten fahre ich mit dem Bus bis ans "Ende der Welt" zum Kap Finisterre und genieße das Meer. Soeben habe ich mein erstes selbstgemachtes Abendessen vertilgt und sitze nun auf einer Bank in dem Garten der sehr schönen (obwohl sehr großen) Herberge und kredenze mir einen trockenen Rotwein. Ich stelle gerade fest, daß ich heute 13 km gelaufen bin und es die 13te Übernachtung auf dem Camino ist! Wenn das mal nicht einiges erklärt?!Ponferrada - Templerburg - Tempelritter - Freitag, der 13.
Gegen das Fehlschlagen eines Plans gibt es keinen besseren Trost, als auf der Stelle einen neuen zu machen - Jean Paul

18.Mai 2008 Rabanal del Camino - Riego de Ambrós 21,5 km


Das Tages-Menü und das Ambiente waren gestern einmalig. Zum ersten Mal habe ich Gazpacho gegessen und es schmeckte mir sehr gut, der Stockfisch war dann nicht so mein Fall. Heute Morgen startete ich leider im Regen. So blieb es bis zur Ankunft im Refugio in Riego de Ambrós. Es waren natürlich keine wilden Hunde in Foncebadón, im Gegenteil: es waren ganz liebe!!! Das "Cruz de Ferro"- Eisenkreuz tauchte dann ziemlich plötzlich auf. Ein sehr friedlicher Ort (da es ja in Strömen regnete), dem man seinen "Sorgenstein" sehr gerne anvertraute. Nach einem kleinen Snack in einem geschützten Unterstand in der Nähe ging es wieder los. Meine Hände waren mittlerweile eiskalt und auch meinen Knien wurde bei dem nun folgenden Abstieg alles abgefordert. El Acebo gefiel mir sehr gut, aber der Ort wirkte zu diesem Zeitpunkt sehr überlaufen und außerdem wurde man dort als Fußpilger sofort von sämlichen Fotoapparaten der Buspilger in´s Visier genommen. Das entsprach nicht so ganz meinem Geschmack und ich beschloss ein Dorf weiter zu wandern. Dieses letzte Stück war nochmal richtig heftig und in Riego de Ambrós steuerte ich sofort die Alberge neben der Kirche an. Mein Geld reichte dann noch genau für die Herberge und ein Pilgermenü. Dummerweise hatte ich in Astorga nicht genug Geld abgeholt und eine weitere Möglichkeit gab es bis dahin nicht. Aber Morgen möchte ich nach Ponferrada und nachdem ich dort einen Geldautomaten aufgesucht habe, lasse ich es mir so richtig gut gehen. Lauftechnisch sieht es nach dem heutigen Tag gar nicht gut aus! Wie soll es nur weitergehen? Vielleicht schaffe ich es ja doch noch, aber so wie es sich im Moment anfühlt, nur mit einer nochmaligen Unterbrechung (Auslassung der nächsten Bergetappe/O´Cebreiro?).
Man darf die Hoffnung nicht aufgeben!!!
Was wäre das Leben ohne Hoffnung - Friedrich Hölderlin

17.Mai 2008 Astorga - Rabanal del Camino 21,2 km


Um 7.15 Uhr ging´s los. Erst noch einmal zur Kathedrale, wo ich zufällig Ruth traf. Bis zum Ortsausgang gingen wir noch zusammen, dann trennte uns unser unterschiediches Lauftempo. Ein zauberhaftes Dorf verlockte zum Verweilen in einer Bar, um einen "Café con leche" zu genießen. Auch Ruth hatte sich für diese Bar entschieden, so daß wir noch ein "Pläuschken" halten konnten. Eine Stunde vor Rabanal schmerzten die Knie wieder heftig. Schnell eine Voltaren-Kapsel eingeworfen und die letzte halbe Stunde war problemlos zu bewältigen. Erst steil bergauf in ein sehr schönes Dorf und nach einigen Umwegen war die erwählte Herberge schnell gefunden. Es gab einen wunderschönen Innenhof mit Bar und auch der Schlafraum, die Küche und die Duschen machten einen hervorragenden Eindruck. Gleich noch für den nächsten Tag einkaufen und anschließend mit Maria, welche ich in Astorga kennen gelernt hatte, in einem netten Restaurant ein etwas anderes Menü genießen. Ist das schön hier!!!
Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen - Konfuzius

Montag, 18. August 2008

16.Mai 2008 Hospital de Órbigo - Astorga 18,5 km


Heute Morgen mußten wir leider diesen wunderschönen Ort und diese tolle Herberge wieder verlassen. Dafür entschädigte ein herrlicher Morgen durch ein landschaftlich einmaliges Naturschutzgebiet. Die Knie waren zu Beginn noch etwas steif und schmerzten, aber nach ungefähr einer Stunde ging es dann ganz gut. Margret war mittlerweile natürlich schon weit voraus, so das jetzt jeder wieder seinen Camino alleine fortsetzte. Zwei Stunden später machte ich ein Picknick auf einem Hügel mit super Ausblick. Eine Gruppe Italiener verweilte auch dort und sie sprachen andächtig mehrere Gebete. Da mußte ich auch wieder an unseren italienischen Pilger-Gefährten von gestern denken, welcher sich eine Sehnen-Entzündung im Bein zugezogen hatte. Hoffentlich schafft er es bis Santiago. Er hat es sich so gewünscht. Kurze Zeit nach meinem Picknick hörte ich Hufgeklapper hinter mir und tatsächlich: das waren die ersten "Pferde-Pilger" des Weges. Wir hatten die Pferde gestern schon auf dem "Tjost"-Platz (Turnierplatz für den Zweikampf von Rittern zu Pferde bei mittelalterlichen Turnieren) unter der Brücke von Hospital de Órbigo gesehen. Nach weiteren 5 km gab es ein Gipfelkreuz mit herrlichem Panorama, danach folgte ein steiler Abstieg in Richtung Astorga -Hölle für meine Knie. Ein nicht so schöner Vorort mußte noch durchquert werden und nun war Astorga nicht mehr weit. Nachdem ich das Tempo nochmals zurücknahm, traf ich eine Pilgerin, welche mir auf Nachfrage nach meinen Leiden, ihren Restbestand an Voltaren-Kapseln schenkte. Ich war sprachlos - man bekommt tatsächlich alles zurück, was man gegeben hat!!! Zu Beginn des Caminos habe ich Kati einen Teil meiner Kapseln gegen ihre Schmerzen gegeben. Auf dem letzten Stück bis zur Herberge streikten die Knie dann nochmal so richtig. Bei einer kurzen Rast vor der Kathedrale und dem Gaudí-Palast zeigte mir ein Fahrrad-Pilger mit Stadtplan den Weg zum Refugio, so daß ich nicht weiter herumirren mußte. Denselben Pilger traf ich nochmals, als ich meine Vorräte auffüllen wollte und auf der Suche nach einem Sportgeschäft war. Auch da konnte er mir weiterhelften und kurze Zeit später hatte ich meine dringend benötigten gepolsterten Fahrrad-Handschuhe, damit ich mir meine Hände nicht an den Trekking-Stäben wund scheuere.
Der Zufall ist das Pseudonym, das der liebe Gott wählt, wenn er inkognito bleiben will - Albert Schweizer