Dienstag, 18. Februar 2020

21. Mai 2019 Carrion de los Condes - Ledigos 24,6 km



Nachdem ich die kühle und lange Nacht überstanden habe und die Wäsche trotz allem getrocknet ist, starte ich gut ausgerüstet um 8:20 Uhr auf die 18 km lange fast schnurgerade Strecke.


Ich passiere noch eine letzte Einkaufsmöglichkeit und dann ist Durchhaltevermögen gefragt. Sonne von hinten links - Wind von hinten rechts.


Zeitweise Ablenkung erhalte ich durch ein Gespräch über Umweltschutz mit David aus Sacramento. Es wird immer wärmer, so daß einige Kleidungsstücke langsam wieder weichen. Auf einem sehr schönen Picknickplatz wird der Proviant reduziert, so daß ich weniger tragen muss.


Ich nutze jede Möglichkeit für eine Pause, da sich der Weg unendlich hinzuziehen scheint. Außerdem werde ich von kleinen Insekten (Eintagsfliegen o.Ä.) geplagt, welche mir ständig im Gesicht rumschwirren. Zum Schluß hilft nur noch: Kopfhörer auf und Hörspiel an. Dann endlich: Cazadilla del la Cueza.


Jubel und eine längere Pause am Hostal Camino Real in netter Katzengesellschaft. Wir teilen uns eine Tortilla und für mich gibt´s noch eine große Coca-Cola.


Erfrischt nehme ich die letzten 6,6 km bis Ledigos in Angriff. Die Beine werden immer schwerer, aber dann ist es geschafft. Die Herberge El Palomar hat noch reichlich Platz zur Verfügung. Die Dusche erfrischt ungemein und auch Wäsche waschen ist kein Problem.


Lara aus Leipzig, die Medizinstudentin ist auch hier untergebracht. Wir planen unser morgiges Tagesziel und fassen Beide Sahagun ins Auge. Am Abendessentisch sitze ich zusammen mit zwei Engländerinnen. Es wird ein sehr netter Abend mit guten Gesprächen :-)

"Tag der nervenden Insekten"


20. Mai 2019 Boadilla del Camino - Carrion de los Condes 25,8 km


Es ist wieder ein kühler sonniger Morgen und der Weg führt mich heute am Kanal von Kastillien entlang. Fast immer geradeaus, aber für mich herrlich entspannend.


Eine Stunde später nach 6,1 km erreiche ich Fromista. Ich frühstücke zusammen mit Rene, den ich dort getroffen habe.


Dann beginnt die Pilger-Autobahn. Hier ist mentale Stärke gefragt. Alle 1 1/2 bis 2 Stunden lege ich eine Pause ein. Zum Schluß erreiche ich noch einen sehr schönen Picknickplatz.


Hier verweile ich dann noch etwas länger, beobachte die kreisenden Raubvögel und nehme nochmals Kontakt in die Heimat auf. Ich stärke mich nochmal und ziehe mich aufgrund der Wärme um.


Mit T-Shirt, Shorts und Sonnenhut geht´s Richtung Corrion de los Condes. Wie immer werde ich dort mit lauter Musik empfangen. Die Suche nach einer Herberge führt mich schlussendlich wieder zum Monasterio St. Clara.


Ich bekomme ein Bett in einem fensterlosen 8-Bett-Zimmer mit mit 7 männlichen Radpilgern (Luft?Schnarchkonzert?) zugewiesen. Das ist mir dann doch "too much". Ich buche nochmal um in ein Einzelzimmer in der Pension des Klarissen-Klosters für 25,-€. Das Zimmer ist zwar etwas kalt, aber ich kann mich dort ausbreiten.


Wieder in dem Ort treffe ich am Supermarkt die junge deutsche Medizinstudentin. Wir tauschen kurz die Pilgernews ;-) aus und ich verstaue anschließend meine Einkäufe im Zimmer. Die Suche nach einer geeigneten Lokalität für das Abendessen gestaltet sich zunächst schwer. Schließlich lande ich aber in der Bar Carmen auf dem Plaza Major und genieße einen Russischen Salat, Flan und Rotwein. Buenas Noches :-)

"Tag der kreisenden Raubvögel"

19. Mai 2019 Castrojeriz - Boadilla del Camino 20,1 km


Ich beobachte den Sonnenaufgang über der traumhaften Landschaft vom Herbergsfenster aus. Anschließend mache ich mich fertig und starte um 8:10 Uhr auf meine heutige Etappe.


Die Sonne scheint und ich beginne mit dem Aufstieg auf den Tafelberg. Nach 1,2 km habe ich mein Ziel erreicht und genieße erst einmal die Aussicht. Es ziehen langsam Wolken auf und so mache ich mich nach einem kleinen Snack wieder auf den Weg.


Der nächste Rastplatz läßt nicht lange auf sich warten. Dort treffe ich auch Rene wieder, welcher spontan mit einer Australierin zu tanzen beginnt. Das war schön :-). Dann treffen drei junge Koreaner ein, welche mich und die übrigen Pilger mit ihrer Pilgerparty-Einstellung (Musikbeschallung, Dauerqualmerei und lauten Geschrei) nerven. Ich ziehe schnell weiter.


Unterwegs gibt´s aber auch wunderschöne Flötenmusik von einem Pilger zu hören. Dort lege ich dann eine weitere Pause ein. Diese nutze für den Kontakt in die Heimat.


Endlich komme ich in Boadilla del Camino an und wähle erneut in der Herberge En el Camino in der auch Rene untergekommen ist. Dort kann ich auch wieder meine geliebten Störchen beobachten. Ich beziehe ein kleines 4-Bett-Zimmer in dem ich mit drei amerikanischen Pilgern untergebracht bin.



Zum Glück ist es etwas wärmer geworden, so daß ich mir endlich die Haare waschen kann. Ach die Klamottenwäsche ist schnell erledigt, so daß alles in der Sonne trocknen kann. Nun warten wir alle auf das Abendessen :-).

"Tag der Quasselstrippen"

Montag, 1. Juli 2019

18. Mai 2019 Hornillos del Camino - Castrojeriz 20,8 km


Bei herrlichstem Sonnenschein mache ich mich um 7:50 Uhr auf den Weg. Bei 3° Grad und leichtem Wind verzichte ich auf ein Picknick und kämpfe mich mit immer schwerer werdenden Beinen durch die Meseta. Nach 11 km erreiche ich Hontanas. Die Mesón El Puntido lädt zum verweilen und aufwärmen ein. Gestärkt durch einen frisch gepreßten Orangensaft, einen Cafe con leche und süßem Gebäck mache ich mich wieder auf den Weg.


Nach weiteren 9,8 km werde ich kurz hinter den Klosterruinen San Anton durch den Klang von Musik zu einer weiteren Pause gelockt. Dort treffe ich René wieder und wir genießen den Aufenthalt bei den Gesängen von Luis Armstrong.


Wie immer folgt bald darauf der langgezogene zähe Aufstieg nach Castrojeriz. Ich endscheide mich dieses mal für die öffentliche Herberge San Esteban. Dort werde ich von den Herbergs-Katzen freundlich begrüßt.


Nach einer einstündigen Pause begebe ich mich gegen 18:30 Uhr in die Bar nebenan. Dort lasse ich den Abend mit anderen Pilgern bei "Rationes & Vino Tinto" langsam ausklingen.

"Tag der eisigen Winde"

Dienstag, 11. Juni 2019

17. Mai 2019 Burgos - Hornillos del Camino 21,4 km


Es wird mein erster "Regenstart" auf dem Camino. Gegen 8 Uhr hält mich nichts mehr und ich mache mich bei 9 Grad, leichtem Regen und etwas Wind auf den Weg.
In Tardajos wird es Zeit für eine Pause und ich verzehre einen Teil meines Proviantes auf einer Bank vor der Kirche. Dort kann ich dann auch die ersten Störche beobachten - herrlich :-). Lange kann man hier aber leider nicht sitzen, da der Wind schon sehr unangenehm ist.


Es sieht düster aus, aber der Regen kommt zum Glück nicht wieder zurück.Viele Pilger sind unterwegs und so läuft man selten allein.
Der nächste Halt erfolgt an/in der kleinen Kirche in Rabe de las Calzadas, die ich heute zum ersten mal geöffnet erlebe. Eine Schwester erteilt mir den Reisesegen und ich erhalte von ihr eine kleines Amulett für den Weg.
In demselben Ort entscheide ich mich für eine weitere Pause in einer unscheinbaren Bar, um mich ein wenig aufzuwärmen. Auf den zweiten Blick ist diese Bar sehr gepflegt und die  Betreiber sehr freundlich, so daß ich bei einem "Cafe con leche" etwas länger als geplant verweile.


Endspurt bis Hornillos del Camino. Als ich um 14 Uhr (was für mich sehr früh ist) dort eintreffe sind alle Herbergen (auch die beiden Neuen) schon voll - Completo. Ich staune nicht schlecht. Beim ersten Camino in 2008 haben wir um 16 Uhr noch 3 Plätze in der Turnhalle bekommen. Ich vermute, daß diese dieses Jahr nicht zur Verfügung steht.
Zum Glück gibt es im Casa del Abuelo noch Platz in einem 7-Bett-Pilgerzimmer unter dem Dach.


Ich genieße die Luxus-Herberge und lerne hier die ersten Pilger (u. a. René) kennen. Es folgen die üblichen Abläufe des Pilgeralltags: Duschen, Waschen, Einkäufe und das Pilgermenü. Meinen ersten Abend auf dem Camino lasse ich, gemeinsam mit meinen Mitpilgern, vor dem Kaminfeuer, bei einem Glas Wein ausklingen.

"Tag der gespaltenen Steine" 

Montag, 3. Juni 2019

16. Mai 2019 Anreise Burgos


Endlich geht´s los. Die Anreise nach Burgos zieht sich etwas dahin. Das Flugzeug nach Madrid hatte fast eine Stunde Verspätung, da die Fluglotsen in Brüssel gestreikt haben und somit die Flugroute neu berechnet werden mußte. Auch wurde durch den Umweg mehr Treibstoff benötigt. Aber dann geht´s endlich los.
Meine in Madrid lebende Tante erwartet mich am Flughafen und wir überbrücken die Zeit bis zu meiner Weiterreise mit einem Mittagessen. An der ALSA-Bushaltestelle heißt es dann erst einmal wieder "Adios" bis wir uns in 10 Tagen wiedersehen.
Mit einer 30-minütigen Verspätung erreiche ich gegen 21:45 Uhr die schöne Stadt Burgos. Zum Glück habe ich ein Zimmer im Hotel Alda Entrearcos vorgebucht und finde dieses auch sofort. Es ist ein nettes kleines Zimmer mit Ausblick auf die Kathedrahle. So steht mir eine ruhige und erholsame Nacht bevor. Buenas Noches :-)