Freitag, 29. August 2008

25.Mai 2008 Arzúa - Arca (O´Pino) 23,1 km


Unerwarteter Weise folgte heute ein herrlicher Morgen. Nachdem sich der Bodennebel aufgelöst hatte, hielt ich Ausschau nach einem sonnigen Platz in einer Bar für ein Frühstück. Schon eine Stunde zuvor waren meine Arme & Beine wie Blei und es fühlte sich an, als ob jemand an meinem Rucksack rückwärts zog. Das Frühstück und ein Gespräch mit Rita (welche überraschender Weise dazu kam) gaben mir neue Energie. Ich ließ mir noch einen Stempel geben (es war übrigens eine Hexe darauf abgebildet) und fühlte mich frisch, für den weiteren Weg. Diese Energie und Frische verflogen aber wieder sofort, als ich einige Minuten später das Dorf verließ und auf dem Boden eine tote Katze lag. War das vielleicht doch das "Hexental" von dem Hape Kerkeling in seinem Buch geschrieben hat? Dann lernte ich einen Pilger einer Pilgergruppe aus dem Frankenland kennen und die Zeit verging wie im Flug. Wir waren so in ein Gespräch vertieft, daß ich sogar an Santa Irene vorbeilief. Das ist mir auf dem gesamten Camino noch nicht passiert! In Rua trennten wir uns und ich wanderte noch weiter bis Arca/O´Pino. Zum Schluß wählte ich noch einmal eine Herberge die "Porta de Santiago". Der Name sagt schon alles, mal schau´n was der morgige Tag bringt.
Der Weg gibt mir Antworten auf Fragen, die ich (noch) nicht gestellt hatte - Unbekannt

24.Mai 2008 Melide - Arzúa 14,5 km


Wieder einmal schön ausgeschlafen, gemütlich den Rucksack gepackt und um 8.30 Uhr folgte der Aufbruch. Das Wetter legte direkt mit Regen los, aber nach ca. 1 Stunde wurde es besser. Es sah zwar immer noch nach Regen aus, aber ich konnte wenigstens nach einiger Zeit den Regen-Poncho wegpacken. So gegen 11 Uhr fand ich mein erhofftes Frühstücks-Cafe. Durch das Frühstück gestärkt ging es weiter. Vom Geruch der Eukalyptusbäume geleitet führte der Weg auf und ab durch verschiedene Wälder und Dörfer. In einer kleinen Kirche gab es dann nochmal einen "Sello" und schließlich erreichte ich Arzúa. Die eigentlich empfohlene Pension fand ich nicht, aber das Casa Teodora tat es auch und versprach eine weitere ruhige Nacht. Zum Abendessen gönnte ich mir heute eine Pizza. Ich werde meine Pilger-Wanderung nun doch um einen Tag verlängern und möchte morgen nach "Santa Irene".
Der Weg wächst im Gehen unter deinen Füßen wie durch ein Wunder - Reinhold Schneider

Mittwoch, 27. August 2008

23.Mai 2008 Lestedo - Melide 20,7 km


Heute Morgen habe ich mich von Rita verabschiedet, da wir uns wahrscheinlich nicht noch einmal treffen werden. Noch war es trocken und so konnte ich ca. 2 Stunden ohne Regencape laufen. Eine sehr schöne Bar in San Xulian lud zu einem gemütlichen Frühstück mit klassischer Musik ein. Da ging auch schon der erste heftige Schauer runter. Weiter bin ich auf herrlichen Waldwegen gewandert, aber nach kurzer Zeit setzte der Regen ein und hielt sich stetig bis kurz vor Melide. In der Kirche "San Juan de Furleos" schaute ich mir diese wirklich ungewöhnliche Darstellung von Christus am Kreuz mit einem nach unten gestrecktem Arm an. Dort erhielt ich auch einen Stempel mit der Abbildung des Kreuzes für meinen Pilgerausweis. Da ich die feuchten Sachen des Vortages mit mir rumschleppte, machte ich mich heute auf die Suche nach einem netten kleinen Hotel. Dort konnte ich meine Klamotten trockenen. Noch schnell Verpflegung besorgt und Regen-Gamaschen und ich konnte den heutigen Abend wieder mal bei einem sehr guten "Menú del Día" ausklingen lassen. Noch 3 Tage pilgern, dann bin ich in Santiago de Compostela. Komisches Gefühl - mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe ich dem Ziel entgegen!!!
Oft liegt das Ziel nicht am Ende des Weges, sondern irgendwo an seinem Rand - Ludwig Strauss

Dienstag, 26. August 2008

22.Mai 2008 Portomarín - Lestedo 20 km


Ein Cafe con leche und die aufgehende Sonne gaben Kraft und Energie für den Weg. Die Strecke war teilweise sehr schön, so daß das Fotografieren hier wieder besonders Spaß gemacht hat. Zwei Zwischenstopps in Bars und ein rege genutzter Picknickplatz sorgten für Abwechslung. In Airexe überlegte ich einzukehren, lehnte dann aber doch das Angebot ab, ein Doppelzimmer in einem netten kleinen Meson zu teilen, da es noch sehr früh war. Nach einer weiteren Stunde gelangte ich nach Lestedo in eine sehr gepflegte Alberge mit nur 10 Betten, wo noch einiges frei war. Der angeschlossene Garten war riesig, aber wir konnten diesen leider nur für ca. 2 Stunden nutzen, da es anfing zu regnen. Dort traf ich auch Rita aus Hannover wieder, mit der ich den Rest des Abends verbrachte. Wir nahmen einen kleinen Snack zu uns (mehr gab es dort leider nicht) und haben uns anschließend noch lange unterhalten. Es ist schon toll, daß man sich auf dem Camino immer wieder trifft.
Per aspera ad astra. Über rauhe Pfade zu den Sternen - Sprichwort

Sonntag, 24. August 2008

21.Mai 2008 Morgade - Portomarín 11 km


Heute habe ich wunderbar ausgeschlafen und genoß anschließend noch ein leckeres Frühstück. Rita, welche ich gestern kennengelernt habe, war leider noch nicht wach, aber von Hans (welcher seine Reise auf dem Camino von seiner Frau zum 50. Geburtstag geschenkt bekommen hat und in Sarria gestartet ist) und von Manfred aus Gütersloh konnte ich mich wenigstens verabschieden. Nun habe ich dieses traumhafte Casa Rual (war wirklich die schönste Unterkunft auf dem Camino) entgültig hinter mir gelassen. Nach ca. 45 min ist Manfred nochmal aufgeschlossen und wir sind eine Zeit lang zusammen gelaufen. Da ich mir für heute nur eine Strecke von 11 km vorgenommen hatte, blieb noch genügend Zeit für eine ausgiebige Pause in einer netten Bar. Weiter ging´s und kurz vor Portomarin fing es doch noch an zu regnen. Zum Glück bekam ich wieder einen wunderbaren Bettplatz in einer kleinen, ziemlich neuen Herberge mit angeschlossener Bar & Restaurant. In einer 4-Bett-Kabine belegte ich ein Bett und nach einer Dusche in den großzügigen Badezimmern, erkundete ich den Ort. Eine Internet-Session und die Einkäufe rundeten den Nachmittag ab. Beim Pizza-Essen traf ich zu meiner Überraschung erneut auf ein deutsches Pilger-Ehepaar, welches ich schon in Burgos kennen gelernt habe. Morgen möchte ich früh raus, damit ich schön langsam laufen kann.
Es gibt keinen Weg zum Glück, Glücklich-sein ist der Weg - Buddha

20.Mai 2008 Ponferrada - Sarria 93,5 km Sarria- Morgade 12,5 km


Gestern Abend konnten mit Hilfe der sehr netten kanadischen Hospitalera alle Probleme beseitigt werden, so daß ich heute morgen um 6.30 Uhr mit einem Taxi zum Bahnhof fahren konnte, obwohl die Herberge normalerweise erst um 7 Uhr öffnete. Nach dieser fast schlaflosen Nacht (6-Bett-Zimmer mit drei heftigen Schnacherinnen) war ich froh, daß wenigsten der Kauf des Bahntickets problemlos funktionierte und so ging es mit einstündiger Verspätung auf die Reise. In Sarria angekommen besorgte ich mir zuerst noch einen "Sello" (Stempel) für den Pilgerpaß und um 11 Uhr war ich schon wieder auf dem Camino unterwegs. Die traumhaften Wälder von Gallizien gaben einem ein Gefühl von Heimat und ließen mich die gelaufenen Kilometer vergessen. Ich hatte nun viel Zeit zum fotografieren und so sind tolle Fotos entstanden u.a. zwei interessante Eidechsen. Die erste Anfrage nach einem Bettplatz in einem Casa Rual in Rente war leider nicht von Erfolg gekrönt. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, daß das nächste Casa Rual in Morgade (kurz hinter dem 100-km-Stein) viel schöner war und ich dort sehr nett aufgenommen worden bin. Für nur 8,-€ konnte ich das letzte Bett in einem der beiden 3-Bett-Alberge-Zimmer ergattern. Man sollte sich wirklich keine Sorgen um ein freies Bett machen. Irgendwo kommt man immer unter. Ich habe bis jetzt sogar die Erfahrung gemacht, daß ich bei der nächsten Unterkunft immer besser dran war. Hier konnte ich auch mal wieder mein Handy aufladen. Nachmittags saßen wir alle gemütlich in der Sonne und so entstand das eine oder andere interessante Gespräch.
Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab - Marcus Aurelius

Mittwoch, 20. August 2008

19.Mai 2008 Riego de Ambrós - Ponferrada 13 km


Die letzte Nacht war wunderbar ruhig in meiner kleinen 2-Bett-Kabine, welche ich alleine nutzten konnte. Den Abschluß des Abends bildete das Pilgermenü, welches ich gemeinsam mit Mette (Dänemark), Chris (Schottland) und Christian (Deutschland) genoß. Zum Glück regnete es heute nicht, so daß ich von meiner Umwelt doch viel mehr wahrnehmen konnte. Ein traumhaft einsamer und verwildeter Weg, ließ die für meine Knie harten Abstiege fast vergessen. Als die Sonne durchbrach, war es mal wieder Zeit für das obligatorische Picknick. Die restlichen Kilometer zogen sich dann nochmal hin. Weiter als Ponferrada hätte ich es heute auch nicht geschafft. Zwei Tage Bergtour merkte ich sehr deutlich in den Waden, den Knien und der linken Achillessehne. In Ponferrada angekommen ging ich zuerst einmal zum Geldautomaten. Welche Erlösung!!! Nun die Herberge aufgesucht, welche aber erst um 14 Uhr öffnete. Also den Rucksack in die Schlange gestellt und die Zeit sinnvoll mit der Besorgung von Proviant genutzt. Anschließend holte ich auch schon Informationen aus dem Touristen-Büro ein, welche sich als nicht so erfreulich erwiesen. Ursprünglich wollte ich noch 2 Tage bis Vega de Valcarce wandern und von dort aus mit dem Bus nach Sarria fahren: das ist aber leider nicht möglich! Nun muß ich morgen früh um 7.12 Uhr mit dem Zug nach Sarria fahren. Naja, hat auch was Gutes. Falls mir Santiago gut gefallen sollte, kann ich mich dort länger aufhalten. Ansonsten fahre ich mit dem Bus bis ans "Ende der Welt" zum Kap Finisterre und genieße das Meer. Soeben habe ich mein erstes selbstgemachtes Abendessen vertilgt und sitze nun auf einer Bank in dem Garten der sehr schönen (obwohl sehr großen) Herberge und kredenze mir einen trockenen Rotwein. Ich stelle gerade fest, daß ich heute 13 km gelaufen bin und es die 13te Übernachtung auf dem Camino ist! Wenn das mal nicht einiges erklärt?!Ponferrada - Templerburg - Tempelritter - Freitag, der 13.
Gegen das Fehlschlagen eines Plans gibt es keinen besseren Trost, als auf der Stelle einen neuen zu machen - Jean Paul